Sneak Preview
Das Bestiarium des verdammt schlauen Josef
Originalgedichte von Chantal Georgine Haupt
Deutsche Version und Illustrationen: Jochen Krautheim
Der stolze Statist
Kaum beachtet von dem Clan,
tritt Schreiner Josef auf den Plan.
Ein schlauer Fuchs mit viel Talenten,
ein Pfiffikus mit Trink-Akzenten.
Tritt ans Licht und prostet froh,
zu dem Auditorio,
das, angezogen von dem Sterne,
kam zur Kripp’ von nah und ferne.
Jos kennt die schlauen Ungeheuer
und alle ihre Abenteur.
Ohne Bohei und ohn’ Chichi,
wird dann getrunken auf la vie.*
* das Leben
Vorwort
Unter Sternen, hell und klar,
in Judäa, wunderbar,
kommt in einem Stall zur Welt
ein heiliger Knirps, der manchen verprellt.
Ein kleines Gör, das jeden stört
im Universum unerhört:
Engel fromm und Engel mild,
Juden, Heiden, sanft und wild,
Pros und Antis, Neu-Bekehrte,
Bürger, Grafen, Hochverehrte,
Fleisch-, und Gras- und Allesfresser.
Bretonen, Fremde und Elsässer,
Vögel, Viecher, Hörnerträger,
Sammler, Sucher und auch Jäger,
mit Haaren, Fell und mit Gefieder:
ein jeder grölt jetzt neue Lieder.


Der Selige Esel
Im armen Stall wo der heilige Sohn,
bespaßt wird auf seinem Wiegenthron,
wo Marie und Josef gerade,
die Herzen in Liebe baden,
wo der Ochs liegt und schmacht’,
steht auch der Esel – und lacht.

Der Einfältige Strauss
Auf einem Strauß, nicht allzu helle,
hockt ein Seraph, ihm auf der Pelle.
Von göttlichem Wein ganz weich im Kopf,
macht er sich breit im Federschopf.
Er tatscht und grapscht ganz widerlich,
Strauß Ulla ist völlig außer sich.
Da schreit plötzlich das Heiligkind
(dem solche Späße müßig sind):
„Hör auf mit dieser billigen Nummer,
Ein Engel hat keinen Liebeskummer!
Lass ziehen diese lose Trulla.“
Und töricht flieht die dumme Ulla.

Das Sanfte Pony
Hopp, hopp, hopp! Das Reitertier
trabt und pupst ganz ungeniert,
dort wo Engel schon am Morgen
sich mit gutem Wein versorgen.
Müd’ der ew'gen Singerei,
Beten, Opferbringerei,
und dem anderen Geacker
für den kleinen Jesusracker.
Hopp, hopp, hopp! Das brave Pferd
pupst nicht mehr, es furzt und lehrt:
„Seraphine, es ist wahr,
eure Arbeit dieses Jahr
wartet, das ist unbestritten,
in dem Strohe in der Krippen!
Kein Seraph darf faule lenzen,
Sonst büßt er’s mit Flatulenzen.“
Gesagt getan und im Galoppe,
Gase weichen, hoppe, hoppe,
geht es furzend schnelle fort
zu des Heilgen Bubens Hort.


Der Andächtige Ochse
Der Ochs, ein dicker Alt-Burgunder,
ein Griesgram und ein Riesenplunder,
wurde einst betrogen von der Färse
(die Blonde liebte, so als wär se
blind für alle dunklen Haare,
als wären die nur Auslegware).
Vorbei mit Streicheln und Liebkosen,
vorbei mit all den lustigen Posen!
Seitdem hängt Ochsens schlaffe Spindel,
und er bläst Andacht in die Windel.
Sein heißer Hauch bewacht
das Kindchen in der Nacht.